time after time

time after timeZeitreisen sind  toll, jawoll! Was würdet ihr wohl für abstruse Unternehmungen starten, wenn euch die Zeitlinie zur freien Kontrolle bereit stünde? Ursprünglich wollte ich im heutigen Comic ebenfalls einen wichtigen Gedanken unterbringen. Was mache ich mit Adolf Hitler?

Die Antwort: “Nüschte!” Auch wenn die Verzückung horrend exquisit ausfallen würde, dem kleinen, ein-hotrigen Österreicher anno 1923 im Münchner Hofbräuhaus, eine Kugel in den mickrigen Oberlippenbart zu jagen, während man lautstark “Stirb geil!” verkündet, so muss man dennoch bedenken, welch enormen Einfluß dies auf die Zeitlinie hätte. Der Tod des braunen Gnomes könnte ein sogenanntes Großvaterparadoxon auslösen, von dem nicht nur meiner einer betroffen wäre, sondern myriarden anderer Geschöpfe. Obgleich mir eine Welt ohne die Auswirkungen des zweiten Weltkriegs äußerst ansprechend erscheint.

Nene, die Zeit sollte man zeitweilens nicht zuviel ins schwarze Löchlein zwitschern.

Ohnehin müsste man sich mit genügend anderen Problemen herumschlagen. Von den technischen und physikalischen Unwegsamkeiten einmal abgesehen, werden Zeitreisen sogar die Grammatik komplizierter gemacht haben. “Der Hund fing den Ball, der geworfen werden wird.”

Wer temporalen Tourismus im großen Stil als science fiction abwinkt, dem soll an dieser Stelle gesagt sein, dass Zeitreisende bereits unter uns leben. Wenn auch auf einen sehr geringen Maßstab bezogen. So ist bleistiftweise der russische Kosmonaut Sergei Konstantinowitsch Krikaljow, der am weitesten „zeitgereiste“ Mensch, da er 784 Tage an Bord der Raumstation Mir verbrachte. Er „reiste“ im Vergleich zu seinen erdgebundenen Mitmenschen etwa eine fünfzigstel Sekunde in die Zukunft, weil die hohe Geschwindigkeit der Raumstation für eine spezialrelativistische Zeitdilatation sorgt, die wesentlich größer ist als die gravitative Zeitdilatation.

Ja, für die Jungs da oben vergeht die Zeit langsamer, als für uns Stubenhocker. Könnte man sich in einen Raum ohne jegliche Schwerkraft teleportieren, so bliebe man in den Augen der normalen Erdenbürger for ever young. I want to be for ever young. *Liedchen träller*

Jaja, hier ergeben sich gedanklich wunderbare Möglichkeiten. Vor allem in kausaler Hinsicht. Zeitreisen! Whoa, dat wär scho geil, wa?!
Doch Nachtwächter liefert diesbezüglich das empirische Gegenargument, welches eventuelle Höhenflüge der Vorfreude nicht nur auf den Boden der Tatsachen zurückholt, sondern regelrecht im Keim erstickt.

Wenn es in Zukunft Zeitreisen geben wird, die ein freies Bewegen in der Zeit und damit auch die Reise in die Vergangenheit ermöglichen, denn sind die Zeitreisenden bereits hier, wir haben also bereits Kontakt mit dieser technischen Möglichkeit gehabt. Da wir einen solchen Kontakt offenbar noch nicht gehabt haben, wird die Menschheit niemals eine Technik zum freien Bewegen in der Zeit entwickeln.

Dagegen kann jedoch eingewendet werden, dass das Argument zur Widerlegung der Möglichkeit von Zeitreisen nicht ausreicht, weil der menschliche Erfahrungsraum begrenzt ist. So könnte z. B. für den Empfang von Zeitreisenden aus der Zukunft eine technische Infrastruktur (Empfangsstation) erforderlich sein, die es noch nicht gibt. Dann würde man Zeitreisende erst ab dem Zeitpunkt der erstmaligen Errichtung einer solchen Station empirisch nachweisen können. Der Empfang eines Zeitreisenden könnte dann direkt bei Inbetriebnahme der Empfangsstation erwartet werden.
Also doch noch ein Hoffnungsschimmer?

Das Techtelmechtel mit der damalig sehr talentierten, sowie attraktiven Grace Slick kann ich mir dann jedoch abschminken. Schade.

Sollte es dennoch jemandem gelingen, der vierten Dimension den ausgestreckten Mittelfinger zu präsentieren, gebe ich gerne stehende Ovationen und richte in flehender Körperhaltung meinen ausgestreckten Daumen gen Vergangenheit. Muss nur noch fix meinen Hitchhiker hervor kramen.

(Für die Besserwisser: Ja, ich weiß, dass man die „vierte Dimension“ nicht mit der Zeit gleichsetzen kann, da eine sog. Raumzeit nicht euklidisch ist und eine Raumkrümmung aufweist. Diese entspricht der gedanklichen Übertragung von gekrümmten Flächen (2-D) auf den Raum (3-D). Die Euklidische Geometrie wird erweitert, um gekrümmte Mannigfaltigkeiten mittels Methoden der nicht-euklidischen Geometrie zu beschreiben. Nach Einstein ist es ja bekanntermaßen die Anwesenheit von Masse, welche die Raumkrümmung verursacht.)

Ein kleiner Tipp vorab. Sollte man zu gewissen Zeitpunkten temporale Bedenken hegen, so empfiehlt sich stets die Frage “Was würde Fritz Fischer tun?”

Fritz Fischer (Zeitreisender)

Fritz Fischer (*23.09.1986 in Fischerdorf – † 07.07.1943 in Schwarze Pumpe) war einer der wenigen Menschen, die in der Zeit rückwärts leben konnten, eine Gabe, die sonst nur Neonazis vorbehalten ist. Er hatte eine Angel.

Lebensrücklauf

Geboren am 23.09.1986 verlebte Fritz Fischer eine manchmal sogar glückliche Kindheit. Sein Vater schenkte ihm zu seinem 3. Geburtstag im Jahre 1983 eine Angel. Mit dieser konnte er vorerst nichts anfangen, außer den Dorfnarr zu verprügeln. 1980 kaufte er sich das Buch “Die Angel und ich. Phishing leicht gemacht.”. Daraufhin fischte er im Dorfteich seines Heimatkaffs meist frische Fische. Nur manchmal, wenn das hiesige Klärwerk wieder einmal Probleme mit den Generatoren hatte und die gesamten Fäkalien des Dorfes ungefiltert in den Dorfteich gelangen konnten, hatten die geangelten Fische einen faden Beigeschmack. Diejenigen Fische mit besonders dicker, grüner Fäkalienkruste verkaufte er als Schlemmerfilet an Iglo und besserte so sein kärgliches Studentengehalt auf.
Nach einiger Zeit wurde ihm das Angeln jedoch zu langweilig und er löste durch ein Attentat auf den Bürgermeister seines Heimatkaffs 1961 die Fischer-Kontroverse aus. 1943 verbrannte er im Feuersturm bei einem alliierten Luftangriff auf die Weltmetropole und heimliche Hauptstadt des Ruhrgebiets, Schwarze Pumpe. Er war 1951 hierher ausgewandert, um sich vor den Mobbingattacken, denen er in seiner Heimat ausgesetzt war, zu schützen.
Sein Bruder Florian Fischer war bereits Ende 1948 bei Berlin während eines Rosinenbomberangriffs umgekommen. Alliierte Bomberpiloten hatten sich einen Spaß daraus gemacht, Wetten abzuschließen, wer ihn als erstes mit einem Care-Paket erwischt. Sie wurden noch im selbigen Jahr wegen absichtlich versuchtem, aber doch nicht so ernst gemeintem Halbtotschlag von einem deutschen Gericht zu der Höchststrafe von 3 Tagen auf Bewährung verurteilt.
Fritz Fischers Lebensgefährte Ernst Julius Röhm beging 1934 als Vorsitzender des deutschen Wetterdienstes der Sturmabteilung, Selbstmord. Er hatte sich, mit verbundenen Händen und knieend von hinten mit einer Selbstschussanlage in den Kopf schießen lassen.

Zitate

* Frischers Fitz frischt fische Fritze…
* Fass ihn an!, Fritz Fischer nach dem ersten Bier

Mit marginal relativistischer Zeitdilatation
-meshugge

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